Der Traum vom langsam, aber nachhaltig steigenden Kurs

Bitcoin.de hat in diesem Blog-Artikel mal einen Blick in die Glaskugel gewagt. Auch wenn der Artikel einige vernünftige Gedanken enthält, ist die Schlussfolgerung  imho eine Falsche. Es wird die Hypothese aufgestellt, dass es mehrere positive Faktoren gibt, die ein langsames stetiges Wachstum wahrscheinlicher machen als Stagnation oder eine negative Entwicklung.
Diese Faktoren gibt es schon, nur spielen sie eine eher untergeordnete Rolle. Im Folgenden will ich erklären, warum:

Halbierung der Inflation

These: Die Halbierung der Menge der neu erzeugten Bitcoins führt zu einer Verknappung am Markt und damit zu steigenden Preisen.

Die Inflation sinkt bezogen auf die gesamte Geldmenge schon die ganze Zeit. Sie war im 2. Jahr 100%, im 3. 50% und im jetzigen 4. 33%. Mit der Halbierung der neu erzeugten Bitcoins ist die Inflation im nächsten Jahr dann 12.5% statt 25%.
Trotzdem hat sich der Bitcoinkurs 2011 etwa vervierfacht und 2012 verdreifacht. Anfang 2010 gab es im Prinzip noch keine fixen Kurse, aber man kann mindestens von einer Verhundertfachung ausgehen. Der Kurs hat sich bisher also genau andersrum entwickelt, als man anhand der Inflation erwarten würde.

Steigende Investionen der Miner

These: Die Miner haben mit der Einführung der neuen Mininghardware (ASIC) enorme Kosten auf sich genommen, die sie durch höhere Preise wieder einspielen müssen.

Mich wundert ehrlich gesagt, wie man überhaupt auf die Idee kommen kann, dass die Investitionen der Miner eine Rolle spielen. Wenn ich 10mio Euro in eine Wurstfabrik stecke, zahlen die Kunden doch auch nicht auf einmal mehr für die Wurst. Natürlich steht es denn Minern frei, ihre Bitcoins nicht mehr für den aktuellen Marktpreis zu verkaufen. Die Option haben die Leute, denen die existierenden 10.5mio Bitcoins gehören, aber auch. Letztlich sind das die Leute, die die Preise machen, nicht die Typen, die am Tag nur ca. 3500btc produzieren.

Zuspitzung der Eurokrise

These: Mit der Eurokrise sinkt die Anzahl der vertrauenswürdigen Anlagen (Währungen, Staatsanleihen). Dadurch wird mehr in Bitcoin angelegt werden.

In Argentinien explodiert die Währung gerade komplett. Das bedeutet nicht, dass plötzlich unheimlich viele Argentinier Bitcoins kaufen wollen. Natürlich ist die Not nach einer besseren Währung da. Das ist sie aber nicht erst seit gestern. Irgendwo fällt immer mal eine Währung um. Das bedeutet nur, dass Bitcoin Erfolg haben KANN. Im Moment ist Bitcoin aber noch nicht auf dem Radar größerer Investoren.

Mehr Anwender und mehr Anwendungen

These: Die Anzahl der Bitcoinnutzer steigt langsam, aber stetig. Gleichzeitig gibt es immer mehr Anwendungen und Möglichkeiten, Bitcoins sinnvoll zu nutzen.

Hier liegt letztlich der Hase im Pfeffer. Natürlich hat mein bloggender Kollege recht, wenn er sagt, dass die Entwicklung im Moment positiv ist. Der Fehler liegt in der Annahme einer stetigen Entwicklung. Technologien, insbesondere solche, deren Nutzen mit der Anzahl der Nutzer steigt, setzen sich entweder gar nicht durch oder sie haben Phasen explosionsartiger Adaption. Bei Bitcoin kam 2010 der erste größere Schub mit der Erwähnung auf Slashdot.org, 2011 ein weiterer mit einer Welle von Artikeln auf bekannten Seiten wie z.b. Spiegel.de. 2012 war, was die Entwicklung der Nutzerzahl anging, ein relativ ruhiges Jahr. Von Stagnation kann man allerdings nicht sprechen. 2011 hat man deutlich erkennen können, dass Bitcoin in seiner Entwicklung einfach noch nicht weit genug war, um von einer breiteren Öffentlichkeit genutzt zu werden. Innerhalb des letzten Jahres hat sich das Angebot an Bitcoin-Anwendungen aber extrem verbessert. Der explosionsartigen Entwicklung der Nutzerzahl folgte also zeitversetzt eine explosionsartige Entwicklung der Technologie.

Fazit

Obwohl der Bitcoinkurs natürlich auch von den zuerst genannten Faktoren beeinflusst wird, bestimmt die Frage, ob Bitcoin eine weitere Phase exponentiellen Nutzerwachstums haben wird, den langfristigen Kurs erheblich mehr. Im Moment besteht meiner Meinung nach Anlass zu Optimismus. Wie gesagt ist Bitcoin technologisch im letzten Jahr erheblich gereift. Den Kreis der Nutzer betreffend wäre der nächste Schritt die Adaption bei „Otto-Normal-Geeks“: Regelmäßige Computernutzer mit einem gewissen technischen Grundwissen und regelmäßigem Konsum von digitalen Waren und Dienstleistungen. Dass WordPress.com seit kurzem Bitcoin als Zahlungsmethode akzeptiert, ist in diesem Zusammenhang eine sehr positive Nachricht. Nicht nur, weil die Seite extrem populär ist (weltweiter Alexa-Rank 21), sondern auch weil sie im Gegensatz zu Filesharing- oder Glückspielseiten kaum in den Medien als unseriös oder legal grenzwertig dargestellt werden kann. Es ist ein erstes deutliches Zeichen, dass Bitcoin im Mainstream ankommt. Sollte das passieren, spielen Faktoren, die den Kurs um vielleicht 10-20% verändern können, überhaupt keine Rolle mehr. Ebensowenig kann man dann nicht auf eine stetige Entwicklung hoffen. Es wird dann zwangsläufig wieder zu einer Euphorie und einer Überhitzung des Marktes kommen, wahrscheinlich mit der dazugehörenden Kurs-Achterbahnfahrt.
Natürlich muss das nicht so kommen. Bitcoin kann noch eine ganze Weile vor sich hin dümpeln. Aber wenn man ernsthaft aus rein finanziellen Gründen in Bitcoin investieren will, sollte man das nicht tun, weil man realistisch von einem stetig steigenden Kurs ausgehen kann. Man sollte es tun, weil man ein gewisses Kapital hat, mit dem man risikofreudig agieren will und Bitcoin für eine Technologie vor dem großen Durchbruch hält. Eine langfristige Investition in Bitcoin ist und bleibt ein Glücksspiel. Nur eben eines mit meiner Meinung nach guten Chancen und riesengroßem Jackpot.

Meine Prognose

Ich habe mich vor einem Jahr im Bitcoin-Forum in diesem – auch sonst sehr lesenswerten 😀 – Posting schon einmal hellseherisch betätigt:

Does that mean 2012 will be the year of the big breakthrough? Imho No. Bitcoin is still far away from being usable by Average Joe. But i believe 2012 might very well be the year bitcoin finds its first economic niches big enough to sustain bitcoin specific businesses.

Wenn man sich reine Bitcoin-Unternehmen wie Bitmit oder Sealswithclubs mit jeweils mehreren tausend Nutzern anguckt, denke ich, dass ich die Entwicklung schon relativ gut antizipiert habe.
Deshalb will ich mich auch dieses Jahr wieder ein wenig aus dem Fenster lehnen und wage eine Prognose:

Ende 2013 wird Bitcoin sich im Bereich digitale Waren und Dienstleistungen als Alternative etabiliert haben und wird evtl. sogar von ersten großen Online-Versandhändlern akzeptiert.
Die Nutzeranzahl wird man realistisch im einstelligen Millionenbereich ansiedeln können. Der genaue Kurs zu einem bestimmten Zeitpunkt ist natürlich unheimlich schwer vorherzusagen, deshalb bleibe ich mal bewußt ungenau und sage, man wird von einem Bitcoin zu viert essen gehen können. Ich hoffe, es gibt Filetsteaks, aber wenn es nur für Pizza reicht, lag ich ja auch nicht völlig daneben 😉



Kommentare

Der Traum vom langsam, aber nachhaltig steigenden Kurs — 2 Kommentare

  1. „Zu viert Essen gehen können“ gefällt mir. Ein richtig schön dehnbarer Begriff. Mit ordentlichem Wein oder gar Champus kombiniert mit eingem gewissen sich-zeit-lassen und einigen gängen kann da schon ein sümmchen bei rauskommen. In Vietnam gibt’s dagegen für 2 Dollar locker 4 leckere Hühnersuppen mit grünem Bia Hoi.

  2. Pingback: Bitcoin 2013 bereits nach 45 Tagen bei doppeltem Wert | Coinblog

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