Warum Bitcoin?

Hier möchte ich euch darstellen, warum ich Bitcoin für eine wichtige Entwicklung halte. Neben einem Anblick in meine Motivation gibt euch das vielleicht auch Gründe, euch selbst näher mit Bitcoin zu befassen.

Die Kerntugenden

Die folgenden Eigenschaften machen für mich die Einzigartigkeit von Bitcoin aus. Sie sind teilweise abstrakter, als die weiter unten genannten, konkreten Vorteile, aber auch viel grundlegender.

Begrenzte Geldmenge

Alles, vor allem auch Geld, ist nur dann etwas Wert, wenn es knapp ist. Alles, was beliebig vervielfältigt werden kann, verliert entsprechend schnell an Wert. Papiergeld kann theoretisch beliebig vervielfältigt werden. Sein Wert basiert auf dem Vertrauen, dass der herausgebende Staat in absehbarer Zeit die Geldmenge nicht unkontrolliert vergrößert. Die Geschichte zeigt, dass dieses Vertrauen nicht immer berechtigt ist. Im Gegensatz dazu ist bei Bitcoin kein Vertrauen in einen Herausgeber nötig. Es wird nie mehr als 21 Millionen Bitcoins geben.
In Deutschland haben wir nun schon relativ lange eine stabile – soll heißen: nur langsam wertloser werdende – Währung. Deshalb konnte man leicht auf die Idee kommen, das ginge immer so weiter. Die eine oder andere Wirtschafts- und Finanzkrise wird bei vielen dieses Vertrauen schon beschädigt haben. Eines kann man aber sicher sagen: Liquidität hat ihren Preis. Wenn das Geld nicht sehr schnell sehr wertlos wird, wird es eben langsam wertloser. Ersterer Fall bringt aber zudem noch das Risiko mit sich, dass man im Falle einer Hyperinflation nicht nur ärmer ist als vorher, sondern auch völlig ohne adequates Tauschmittel dasteht.

Keine „Geschäftsbedingungen“

Mal ehrlich: Kennt ihr die Geschäftsbedingungen eurer Bank? Oder von Paypal? Moneybookers? Ich auch nicht. Das ist für einen Normalsterblichen auch kaum möglich. Letztlich steht man dem hilflos gegenüber. Man hat meistens weder die Zeit noch das Fachwissen, sich mit jeder Änderung der Geschäftsbedingungen auseinanderzusetzen. Und selbst wenn man sie hätte, kann man oft gar nicht auf einen bestimmten Finanzdienstleister verzichten. Es gibt sicher viele Leute, die nie Probleme mit ihrer Bank haben. Oder mit sonst irgendeinem Finanzdienstleister. Keine Rückbuchungen, geschlossene Konten oder dergleichen. Der Punkt ist: mit Bitcoin gibt es das ganze Problemfeld überhaupt nicht!
Es gibt einfach niemanden, der irgendeine Zahlung beanstanden könnte oder der nicht will, dass ihr an Wikileaks spendet. Es gibt keine Algorithmen, die euren Geldverkehr irgendwie „verdächtig“ finden könnten. Es gibt auch niemanden, der etwas zurückbuchen könnte, weil jemand behauptet, sein nicht geschäftsfähiger Sohn (oder Schäferhund…) hätte die Zahlung getätigt.

Jederzeit Zugriff auf das eigene Geld

Heutzutage kann man für Geld schon fast sagen: Entweder man hat es oder man kann es ausgeben. Bargeld ist eine aussterbende Spezies. Das liegt einerseits daran, dass das Zahlen ohne Bargeld immer einfacher wird. Anderseits will auch gar niemand, dass ihr mit Bargeld bezahlt. Wegen der Geldwäsche, den Terroristen und so, ihr wisst schon ;-). In vielen Länder gibt es deshalb schon relativ niedrige Obergrenzen für Bargeldzahlungen (z.b. Italien 1000€). Mal abgesehen von der de Facto nicht mehr vorhandenen Privatsphäre hat das auch den Nachteil, dass, falls tatsächlich mal der Kot mit dem Ventilator kollidiert, wie unsere Freunde aus Übersee zu sagen pflegen, man auf einmal ganz große Probleme hat, an sein Geld zu kommen. Das kann von nicht gefüllten Geldautomaten, über akuten Bargeldmangel bei einer Panik bis hin zum ganz schnöden Einbehalten des Geldes unter fadenscheinigen Gründen gehen. Auch hier gilt: Das klingt alles erstmal sehr esoterisch. Im Regelfall passiert ja nichts. Ja, im Regelfall brennt einem auch nicht die Hütte ab. Das ändert nichts an der Sinnhaftigkeit einer Feuerversicherung. Leider gibt es keine Versicherung gegen zerbröselnde Finanzsysteme oder Finanzdienstleister mit Verbrechermentalität.
Auch hier ist der Vorteil von Bitcoin ganz prinzipieller Natur: man muss niemanden das eigene Geld anvertrauen, um es schnell ausgeben zu können.

Zwischenfazit

Meiner Meinung liegen die größten Vorteile von Bitcoin also vor allem darin, dass man die eigenen Finanzen erheblich besser unter Kontrolle hat. Man ist nicht mehr dazu gezwungen, allen möglichen Institutionen zu vertrauen. Ähnlich wie bei einem Goldstück, das man in der eigenen Tasche hat, hat man einen wertvollen Tauschgegenstand, den man selbst kontrolliert und dessen Preis nur durch den Markt selbst bestimmt wird. Zugegeben, Gold hat einen unheimlichen Vorsprung beim Vertrauen, der der Tatsache geschuldet ist, dass es schon Jahrtausende lang immer einen Wert behalten hat. Dieser Vorsprung wird aber mit jedem Tag, den es Bitcoin gibt, ein bisschen kleiner, während alle anderen Vorteile, die Bitcoin gegenüber Gold hat, erhalten bleiben.
Bitcoin ist in gewissen Sinne die perfekte Symbiose von tradionellem wertstabilen, unabhängigen Geld mit den Anforderungen an modernes, elektronisches Geld.

…Und die Werbung

Die folgenden Vorteile werden immer wieder gerne erwähnt, um für Bitcoin zu werben. Sie sind nicht per se falsch, aber alleine würden sie Bitcoin nur zu einer graduellen Verbesserung bestehender Währungen oder Finanzdienstleisungen machen. Sie sind von praktischem Nutzen, aber nicht „revolutionär“.

Transaktionen sind billig

Transaktionen kosten zurzeit umgerechnet etwa 1 Cent, das ist natürlich ziemlich überschaubar. Allerdings ist das keine Eigenschaft von Bitcoin per se. Die Transaktionskosten sind letzten Endes verhandelbar. Wenn man die Einnahmen der Miner durch die Anzahl der Transaktionen teilt, kommt man auf einen Wert von ca. 2$. Das sind aber zum allergrößten Teil keine direkten Transaktionsgebühren, sondern die neu erzeugten Bitcoins in jedem Block. Da die Miner auch noch Geld verdienen müssen, wenn die Anzahl der neu erzeugten Bitcoins abnimmt, müssen die Transaktionskosten langfristig steigen. Trotzdem bleiben Transaktionskosten für die absehbare Zukunft extrem niedrig im Vergleich zu den meisten anderen Möglichkeiten, Geld zu bewegen.

Transaktionen sind schnell

Transaktionen sind im Netzwerk oft innerhalb von Sekunden sichtbar und werden im Client als unbestätigte Zahlungen angezeigt. Ausreichend sicher bestätigt werden sie i.d.R. innerhalb der ersten Stunde. Im Vergleich zu einer Banküberweisung ist das schnell. Aber auch das ist nicht wirklich ein Verdienst von Bitcoin. Jedes zentrale System ist eigentlich schneller. Da wird in einer Datenbank eine Zahl umgeworfen und schon ist das Geld „da“. Schnell ist Bitcoin vor allem im Vergleich zu Bargeld oder zu Geldtransfers, die mehrere Finanzdienstleister involvieren. Also z.B. internationale Überweisungen.

Bitcoin ist anonym

Es ist immerhin möglich, Zahlungen den benutzen Adressen zuzuordnen. Ob man diese Adressen dann auch einem Nutzer zuordnen kann, hängt vor allem vom Nutzer selbst ab. Veröffentlichte Adressen sind natürlich nicht anonym. Darüber hinaus ist das Thema Anonymität bei Bitcoin ein relativ komplexes, interessantes und für manche auch recht wichtiges, und deshalb ein heißer Kandidat für einen zukünftigen, seperaten Artikel. Meiner Meinung nach sollte man Bitcoin jedenfalls nicht mit der Möglichkeit anonymer Zahlungen bewerben, weil die Anonymität nur mit Sicherheitsvorkehrungen gewahrt bleibt, die für Einsteiger zuviel Fachwissen und Aufwand erfordern.

Bitcoin ist sicher

Das Bitcoin-Netzwerk ist sicher. Das Problem ist aber wie fast immer der Nutzer. Bei Bitcoin hat man völlig freie Hand, wie man sein Geld absichert. Wenn man weiß, was man tut, ist das ein Vorteil. Wenn man ahnungs- und sorglos ist, ist Bitcoin in etwa so sicher wie Bargeld auf dem Schreibtisch.

Open Source

Als Letztes der in der Praxis vielleicht wichtigste Punkt: Der Open Source-Gedanke ist im ganzen Bitcoin-Umfeld sehr lebendig. Das ist zwar keine direkte Eigenschaft von Bitcoin, aber trotzdem sehr wichtig. Wenn ein Finanzdienstleister einen neuen Service entwickelt, ist dieser zunächst auf diesen Dienstleister beschränkt. Er kann wieder verschwinden, er muss von anderen Dienstleistern evtl. komplett neu entwickelt werden, er ist nicht zwangsläufig kompatibel zu den Diensten anderer Dienstleister und so weiter. Bei Bitcoin hingegen hat sich innerhalb der letzten Jahre, unter anderen auch durch die Synergie-Effekte von Open Source, die verfügbare Software vervielfacht. Programmierbibliotheken, mobile und webbasierte Clients, Shop-Plugins, Mining- und Poolsoftware sind in einer Zeitspanne entwickelt worden, in der eine herkömmliche Bank es vielleicht schafft, von Tan auf iTan umzustellen oder Online-Kontoauszüge anzubieten. Meiner Meinung nach kann Bitcoin innerhalb weniger Jahre was Komfortabilität und Services angeht sämtliche heutigen Finanzdienstleister aussehen lassen wie Relikte aus grauer Vorzeit.